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Mirjam Zadoff: Wie wir überwintern. Den Lebensmut durch die harten Zeiten retten 

Die Historikerin Mirjam Zadoff ist seit einigen Jahren Leiterin des NS-Dokumentationszentrums in München, sie ist also schon von Berufs wegen täglich konfrontiert mit großem Leid und unvorstellbarem Grauen, hinzu kommen die weltweiten Krisen und gesellschaftlichen Umwälzungen, von denen wir alle jeden Tag lesen und denen wir uns nicht entziehen können. Wie so viele Menschen hat  Mirjam Zadoff auch im persönlichen Bereich eine schwere Zeit erlebt: Im vergangenen Jahr ist ihr Vater gestorben. All das hat sie zum Anlass genommen,  intensiv darüber nachzudenken, wie wir, auch im Angesicht der vielen Krisen, die wir erleben, hoffnungsvoll bleiben können.

Im Buch "Wie wir überwintern. Den Lebensmut durch die harten Zeiten retten" gibt Mirjam Zadoff in 17 kurzen Kapiteln, die meist als Aufforderungen formuliert sind, konkrete Tipps: "Steigt ins kalte Wasser" etwa ist das erste Kapitel überschrieben, "Schaut hin", "Rauft Euch zusammen", "Seid feministisch", "Feiert Feste", "Holt Atem" oder "Lasst sie nicht allein" lauten einige der übrigen Kapitelüberschriften.

Dabei ist der Text kein naiver Ratgeber. Zadoff formuliert es so: "Es gibt keine Anleitung zum Glück, aber Übungen in Zuversicht, die es – ähnlich dem einen oder anderen Muskel im Körper – zu trainieren gilt. Wie im Yoga geht es um Konzentration, Bewusstheit, ethische Fragen, um den Körper und die Sinne, allerdings nicht, oder nicht nur, um die individuelle Erfahrung. Im  Zentrum stehen Gemeinschaft, Solidarität und Verantwortung, das gegenseitige Mutmachen, das Füreinander-Dasein und das widerständige Eintreten für die Rechte aller."

Zadoffs Appelle bestechen sowohl durch die schlichte Klarheit als auch durch die zahlreichen Vergleiche und Belege aus Literatur, Philosophie und Kulturgeschichte. So stellt sie im Kapitel "Lest Bücher" ein Projekt der Künstlerin Katie Paterson, die "FUTURE LIBRARY" vor,  ein Projekt in Oslo, das 2014 begann und auf hundert Jahre angelegt ist. Dort werden unveröffentlichte Manuskripte gesammelt und die Bibliothek wird erst 2114 eröffnet. Damit will die Künstlerin dafür sensibilisieren, dass unsere heutigen Entscheidungen Auswirkungen auf zukünftige Generationen haben. 

"Wie wir überwintern" liefert einen Beitrag für einen optimistischeren Umgang mit der Gegenwart – er macht Mut!

Stefanie Manderscheid

Das Buch ist in der KÖB St. Severin entleihbar.

Bücherstapel (c) SilviaBins