GOT – verlässlicher Ankerplatz

Vor 62 Jahren haben sich Margit und Dieter K. in der GOT Elsaßstraße kennengelernt. Schon seit 1954 treffen sich dort Kinder und Jugendliche aus dem Veedel.  Claudia Pabich von der Pfarrbriefredaktion sprach mit dem Paar und erfuhr von Jugendlichen heute und von den pädagogischen Fachkräften, was die Einrichtung zu einem verlässlichen "Ankerplatz" macht.

Dieter K. ist in der Elsaßstraße aufgewachsen. Er erzählt: "Die OT – so hieß sie damals – war für mich als Kind und Jugendlicher sehr wichtig. Die Gegend hatte keinen guten Ruf, und so waren wir 'von der Straße', was unsere Eltern sehr beruhigte. Es wurde gespielt, gebastelt, Musik gehört, Sport spielte eine wichtige Rolle. Natürlich haben wir auch Partys gefeiert und dazu die Mädchen aus der OT eingeladen. Da haben wir uns kennengelernt. Nach zwei Jahren haben wir geheiratet."

Und heute? Der Alltag in der OT damals und in der GOT heute unterscheidet sich gar nicht so sehr, findet das Paar. 

Margit und Dieter K. lernten sich in der GOT, damals noch OT, kennen. (c) privat

Margit und Dieter K. lernten sich in der GOT, damals noch OT, kennen.

Ich treffe Aleksandro – er ist 15 Jahre alt und kommt schon seit mehr als vier Jahren mehrmals in der Woche in die GOT, für ihn eine "sicherere und verlässliche" Einrichtung. Er kann hier seine "sozialen, kreativen und sportlichen" Hobbys leben, berichtet er druckreif. Er genießt den Austausch mit Gleichaltrigen und dem Team. Aleksandro lebt erst seit sieben Jahren in Köln. Seine Familie stammt aus Albanien, und er ist in Griechenland aufgewachsen. Am Anfang hat er die in der GOT angebotene Hilfe bei den Hausaufgaben sehr geschätzt. Einer der Betreuer korrigiert ihn nach wie vor zuverlässig und freundlich, wenn er kleinere Fehler im Deutschen macht. Manche von seinen jetzigen Lieblingsbeschäftigungen hat Aleksandro erst in der GOT kennengelernt. Das Malen macht ihm viel Spaß. Ein Betreuer hat ihm das Gitarre-Spielen beigebracht, das er ausdauernd übt. Er spielt gerne Tischtennis, und er hat hier einen Sport kennengelernt, der ihn besonders fasziniert: das Armdrücken. Jeden Sonntag fährt er nach Bonn und trainiert dort im Verein das Armdrücken an speziell dafür entwickelten professionellen Tischen. Die GOT konnte günstig an einen Armdrücken-Tisch kommen, den ein Hobby-Bastler gebaut hat, und das Gerät erfreut sich dort, auch bei Mädchen, größter Beliebtheit. 

Ein Armdrücken-Tisch sorgt in der GOT bei den Kindern und Jugendlichen für viel Freude. (c) privat

Für die Mädchen gibt es in der GOT ein besonders verlässliches Angebot – den Mädchentag: Jeden Mittwoch von 16.00 bis 20.00 Uhr ist die GOT ausschließlich für Mädchen zwischen 6 und 21 Jahren geöffnet. Gerade weil Jugendzentren häufig von Jungen dominiert werden, ist ein eigener, geschützter Tag für viele Mädchen ein wichtiger Zugang. Besonders im Grundschulalter ist der Mädchentag oft der erste Schritt in die offene Kinder- und Jugendarbeit. Sie können die Räume in ihrem Tempo kennenlernen, sich ausprobieren und Vertrauen aufbauen – begleitet von einem verlässlichen Team weiblicher Fachkräfte.

Viele Ideen entstehen aus den Interessen der Mädchen selbst – so etwa Workshops oder auch eine gewachsene Skategruppe. Gerade in Bereichen, die sonst oft männlich dominiert sind, erleben Mädchen hier Ermutigung, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft.

"Ich komme gerne zum Mädchentag, weil keine Jungs da sind", sagt Celina (Name geändert) (12 Jahre) und ihre Freundin meint: "Mir gefällt am Mädchentag, dass es immer verschiedene Angebote gibt, die man machen kann. Und auf einem Tisch gibt es auch immer Essen, das man sich einfach nehmen kann. Und es sind an dem Tag nicht so viele Räume besetzt und es ist auch einfach leiser."

Neben den Angeboten bleibt immer auch Raum für das, was junge Menschen besonders brauchen: Gespräche über Freundschaften, Schule, Familie, Zukunftsfragen oder persönliche Unsicherheiten. Es gibt Rückzugsmöglichkeiten für vertrauliche Gespräche ebenso wie Raum für Gemeinschaft, Lachen und einfach "Sein dürfen".

Und was brauchen die Pädagog*innen, um verlässlich handeln zu können? Sie brauchen vor allem Zeit, Kontinuität und stabile Beziehungen. Vertrauen entsteht nicht in Projekten mit kurzer Laufzeit, sondern wächst oft über viele Jahre hinweg. Wenn junge Menschen erleben, dass Ansprechpartner*innen bleiben, dass Absprachen gelten und ihre Themen ernstgenommen werden, entsteht echte Bindung. Damit das möglich ist, sind verlässliche Rahmenbedingungen, gesicherte Finanzierung und gesellschaftliche Rückendeckung für die Bedeutung offener Kinder- und Jugendarbeit unerlässlich.

Mädchen-Skateprojekt (c) privat

Die GOT ist offen für Kinder und Jugendliche ab der 1. Klasse und bis 21 Jahre. 
Mo., Di., Do., Fr.: 16.00 – 21.00 Uhr
Mi.: 16.00 – 20.00 Uhr (nur für Mädchen)

Bis zu 80 Kinder und Jugendliche besuchen täglich die Einrichtung.
Neben dem offenen Treff finden regelmäßig wechselnde Angebote statt, z. B. Sport, Tonstudioarbeit sowie verschiedene Projekte.
Die Teilnahme an allen Angeboten ist freiwillig und kostenlos.