Wenn im Leben nichts mehr sicher scheint …
2009 veröffentliche die Band Silbermond ihre Pop-Ballade "Irgendwas bleibt". Der Song greift den Wunsch nach Halt und Sicherheit auf in einer sich immer schneller verändernden Welt. Thematisiert werden das Bedürfnis nach echten Werten, beständigen Beziehungen und einem sicheren Ankerpunkt. Eine Ballade über das, was im Leben wirklich zählt, Vertrauen stärkt und Verlässlichkeit gibt.
Das Bedürfnis nach Sicherheit und Beständigkeit ist auch im Jahr 2026 nicht geringer geworden. "Gib’ mir‘n kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Gib’ mir in dieser schweren Zeit irgendwas, das bleibt …" trifft auch das Lebensgefühl vieler Menschen heute. Gilt morgen noch das, was heute gesagt wird? Worauf können wir uns verlassen? Was gibt Vertrauen, wer Halt?
Die jahrtausendalte Tradition unseres jüdisch-christlichen Glaubens kennt viele Menschen, die ähnlich gefragt haben: Mose, David, Rut und Naomi, Elija, Hiob, Jona, Hanna, ja selbst Jesus. An Tiefpunkten ihres Lebens suchten sie nach einer tragfähigen Basis und fanden diese in Gott.
Am brennenden Dornbusch offenbart sich dieser als der "Ich-bin-der-ich-bin-da" (Buch Exodus, Kapitel 3) als ein Gott, der alle Wege mitgeht, auch die beschwerlichen, beängstigenden, bedrohlichen. Die vierzigjährige Wüstenwanderung Israels ist Sinnbild für die Wüsten, die Menschen bis heute zu bestehen haben: Beziehungskrisen, Krankheiten, politische Umbrüche, Flucht und Vertreibung, Krieg.
Verlässlich an seiner Seite erlebt Israel immer wieder seinen Gott, der stets Grund zur Hoffnung und neue Kraft zum Durchhalten gibt. Das Neue Testament erzählt eine Geschichte, in der zwei Männer nach Jesu Kreuzigung zurück in ihr Heimatdorf Emmaus trotten (vgl. Lukasevangelium, Kapitel 24). Von tiefer Enttäuschung gepackt, tauschen sie sich über die Geschehnisse aus. Plötzlich gesellt sich ein Unbekannter zu ihnen. Es ist der Auferstandene, aber sie erkennen ihn nicht. Der Unbekannte teilt ihre Enttäuschung und ihre Trauer. Er baut sie auf, hilft einzuordnen. Schließlich kehrt er bei den Beiden ein, als sie Emmaus erreicht haben, isst und trinkt mit ihnen. Während er das Brot bricht, gehen ihnen die Augen auf: Sie erkennen Jesus. Dann ist er plötzlich weg. "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete", stammeln sie. Sie ahnen, wer da die ganze Zeit mit ihnen unterwegs war: der auferstandene Gottessohn.
Zwei Menschen an einem Tiefpunkt ihres Lebens, zwei Menschen beraubt von aller Hoffnung und Zuversicht, zwei Menschen, die einander zu stützen vermögen, aber zusätzlichen Halt in jenem Dritten finden.
Er geht ihren Weg mit, den Weg ihrer Sorge, ihrer Verzweiflung, ihrer Angst – Emmaus entgegen. "Emmaus" ist hier mehr als nur ein Ortsname. "Emmaus" bedeutet so viel wie: "Warm-Quelle", wahrscheinlich weil es dort warme Quellen wie in Aachen gab. Nicht ohne Grund geht dieses eigentlich unwichtige Detail in die Bibel ein. Denn es beschreibt tiefgründig, was die Beiden erfahren haben: Jemanden in ihrer Mitte, der ihrer beider Herzen warm werden lässt und Geborgenheit schenkt. –
"Gib mir einfach nur’n bisschen Halt. Und wieg mich einfach nur in Sicherheit. Hol mich aus dieser schnellen Zeit. Nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit. Gib mir was, irgendwas, das bleibt", heißt es im Refrain von Silbermond weiter.
Gott möchte derjenige sein, der uns Halt und Sicherheit gibt. Das zumindest ist die Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch alle Texte der Bibel zieht. Die beiden Männer von Emmaus haben diesen Gott erfahren dürfen: einen Gott, der bleibt, wenn alles ins Wanken gerät; einen Gott, der nach uns greift, wenn uns die Welt in einen Strudel von Chaos zieht.
Wie aber diesen Gott auch heute erfahren? Vielleicht dergestalt, dass ich offenbleibe für IHN und damit rechne, dass ER auch meinen Weg kreuzen könnte.
Wieso sollte Gott das nicht tun?
Warum sollte ER nicht auch heute das Irgendwas sein, das bleibt …?
Dominik Schultheis, Polizeipfarrer und Subsidiar in St. Severin