Liebe Leserin, lieber Leser,
als wir in den ersten Januartagen 2026 in der Redaktion das Thema des kommenden Pfarrbriefes beraten haben, da stand plötzlich die Frage im Raum, worauf man sich eigentlich verlassen kann – noch oder überhaupt. Sicher Geglaubtes ist nicht mehr sicher, demokratische Standards, regelbasierte Ordnungen wanken, der technologische Fortschritt zeitigt nicht einschätzbare Konsequenzen, etwa die Klimaentwicklung, – all das beunruhigt und verunsichert uns selber und Menschen in unserem Umfeld.
Genau wegen dieser drückenden Erfahrungen wollen wir in diesem Heft erkunden, was den Menschen in Veedel und Kirchengemeinde dennoch Stabilität, Zuversicht, Vertrauen in die Zukunft gibt. "Worauf du dich verlassen kannst" – mit dieser Redewendung im Sinn haben wir nachgefragt bei ehrenamtlich Aktiven: beim Kirchenempfang, der es täglich mit unterschiedlichsten Besuchern unserer Pfarrkirche zu tun hat; bei der Tafel, die sich um Menschen in speziellen Armutssituationen kümmert; bei der Beerdigungsbegleitung, die auch in Extremfällen die Rede vom Menschen als sozialem Wesen glaubwürdig macht. Wir haben junge Menschen gefragt, wie wichtig ihnen Verlässlichkeit ist und Erfahrungen aus der Kindertagesstätte und im Kinder- und Jugendhilfezentrum (GOT) eingeholt.
Sind im Gemeindeleben Gottesdienste und die Vielzahl von Angeboten sinnstiftender Tätigkeit ein verlässlicher Faktor, um Zuversicht und Vertrauen entstehen zu lassen?
Wie oft, so wird der Wert von etwas erst so recht deutlich spürbar, wenn es Mangel oder Schäden gibt. Bei der Gesundheit ist das vermutlich allen Menschen vertraut. Bei der Verlässlichkeit wird momentan mit ihrem Schwinden deutlich, wie unerlässlich sie für jede Form von Gemeinschaft und gelingender Beziehung ist. Die Erfahrung von Gemeinschaft in unterschiedlichen Zusammenhängen stärkt und fördert Verlässlichkeit.
Die verlässliche Präsenz Gottes im Leben – "Ich bin der Ich-bin-da" – erfahren Christen in ihrem Glauben ganz persönlich und individuell. Feiern lässt sich das wiederum nur in der Gemeinschaft. Im ganzen Kirchenjahr wird das nicht deutlicher als in den gottesdienstlichen Feiern der Kar- und Ostertage. Feiern Sie mit!