Statement zum Suchthilfezentrum

31.07.26, 10:00
Gemeindeteam St. Severin

Ende 2025 hat der Rat der Stadt Köln über die Pläne zur Errichtung eines Suchthilfezentrums am Perlengraben informiert. Ziel des geplanten Zentrums ist es, die Hilfsangebote für suchtkranke Menschen auszubauen. In den vorgesehenen Räumlichkeiten sollen sie die Möglichkeit erhalten, geschützt und unter fachlicher Aufsicht zu konsumieren sowie medizinische und sozialarbeiterische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig soll das Suchthilfezentrum dazu beitragen, Ordnung und Sicherheit im öffentlichen Raum zu verbessern, da sich suchtkranke Menschen auch nach dem Konsum in den geplanten Räumlichkeiten aufhalten können.

Seit Bekanntwerden der Planungen wird insbesondere im Severins- und Pantaleonsviertel intensiv diskutiert. Es haben sich unterschiedliche Initiativen gegründet – einige sprechen sich für den Standort aus, andere lehnen ihn entschieden ab. Die vorgesehene Fläche liegt genau zwischen beiden Vierteln und berührt daher viele Menschen unmittelbar.

Als Gemeindeteam haben wir uns intensiv mit der Thematik befasst, uns bewusst für die Unterstützung des Suchthilfezentrums an diesem Standort entschieden und sowohl eine entsprechende Petition als auch einen offenen Brief unterzeichnet.

Grundlage unserer Haltung ist unser christliches Menschenbild. Das Zweite Vatikanische Konzil hat in Gaudium et Spes formuliert: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“

Menschen mit einer Suchterkrankung sind keine Randfiguren unserer Gesellschaft, sondern Menschen mit einer oft schweren Lebensgeschichte. Niemand entscheidet sich freiwillig für eine Abhängigkeit. Im Bild des Evangeliums gleichen sie dem Mann, der unter die Räuber gefallen ist (vgl. Lk 10,30). Ihnen sollte unsere Aufmerksamkeit und unsere Hilfe gelten – so wie der barmherzige Samariter dem Verletzten beisteht. In ihnen können wir, auch wenn es im Konkreten durchaus schwerfallen kann, Christus selbst begegnen. 

Selbstverständlich müssen die Anliegen der Anwohnenden ernst genommen und berücksichtigt werden – und das nicht nur, damit das Veedel weiterhin lebenswert bleibt, sondern auch, weil nur so das Suchthilfezentrum eine Chance auf Akzeptanz hat. Wir sind jedoch überzeugt, dass eine solche Einrichtung ein wichtiger Baustein für einen verantwortungsvollen Umgang mit der aktuell sehr herausfordernden Situation der offenen Drogenszene in unserer Stadt ist. Es kann sowohl zur Entlastung des öffentlichen Raums beitragen als auch konkrete Hilfe und Schutz für betroffene Menschen ermöglichen.

Gemeindeteam St. Severin