Zeitfresser Social Media

"Das war einmal", sagt Giulio G. im Gespräch mit Claudia Pabich von der Pfarrbriefredaktion. "Da habe ich über dem Zappen öfter mal die Zeit vergessen, heute gehe ich damit sehr viel gezielter um."

Der 20-Jährige ist Mitglied des Jugendleitungsteams St. Severin und bringt sich dort sehr aktiv, vielfältig und mit Freude ein – zuletzt bei der Pfingstfahrt. Er gehört in diesem Team zu einer "Führungsgruppe", die besondere Verantwortung in Planung und Organisation übernimmt. 

Ein eigenes Smartphone hat er erst relativ spät bekommen – mit 12 Jahren. Er meint, dass es auch daran lag dass seine nicht ganz jungen Eltern lange kein Smartphone hatten. Auch heute noch unterstützt er sie bei technischen Fragen dazu. "Da wurde mir eigentlich in die Wiege gelegt, dass ich eher altmodisch, analog aufgewachsen bin, mehr mit Zeitung als mit Smartphone". Das hat aus seiner Sicht Vorteile z. B. fähiger im Umgang mit Sprache sein. Aber er hat auch erlebt, dass er in der weiterführenden Schule dadurch schon mal im Abseits stand, wenn Mitschüler über die neuesten Trends, die neuesten YouTube-Videos oder Ähnliches gesprochen haben. 

Wichtig war ihm schon in der Kinderzeit, mit seinen Freunden in telefonischem Kontakt zu sein. Er kannte die Festnetznummern  der Familien seiner beiden besten Freunde auswendig, um sich mit ihnen verabreden zu können. Diese Nummern weiß er auch heute noch.

Wenn er telefoniert, dann oft, um Verabredungen zu treffen oder Dinge zu organisieren. Zwar nutzt er dafür auch WhatsApp, aber der telefonische direkte Kontakt ist ihm wichtiger – darin unterscheidet er sich deutlich von vielen Altergenossen.

Auf Instagram ist er regelmäßig anzutreffen. Er selbst postet dort eher wenig, schaut sich aber die Beiträge von Freunden und Bekannten an. Auch auf Streaming-Plattformen (Musik, Filme) ist er unterwegs, benutzt in erster Linie Medien, um sich zu informieren, interessiert sich besonders für Politik, Geschichte und Sport. Er nutzt auch die Zeitungen und Zeitschriften, die er von klein auf als Informationsquellen zu schätzen gelernt hat. 

Bei Jüngeren sieht er die Tendenz, ungesund viel Zeit mit sozialen Medien zu verbringen und sich weniger mit Freunden zu treffen. Er sieht die Gefahr, dass sich Jugendliche zu wenig trauen, weniger Selbstbewusstsein entwicklen und zu wenig Menschenkenntnis erwerben. "Da fällt es ihnen schwer, manchmal auch unangenehme Situationen zu bewältigen – so auf offener Straße angesprochen werden, Treffen mit Obdachlosen, Telefonate in Verwaltungsangelegenheiten, organisatorisches Können", stellt er fest. Zudem sieht er die Gefahr, dass sie mit Inhalten konfrontiert werden, die sie überfordern oder ihnen schaden, wenn sie den ganzen Tag nur am Handy sind.

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