Zwischen Himmel und Erde

Der Tod ist ein Einschnitt. Bei allem fließenden Weitertreiben der Zeit gibt es diesen Augenblick zwischen Himmel und Erde – und im selben Moment treibt die Zeit auch schon weiter – so erlebte es Regina K.

Der Tod der Mutter kam für mich unerwartet plötzlich. Trotz hohem Alter konnte ich ihren Tod nicht vorweg fühlen, nicht denken. Erst der Augenblick ihres Todes stellte – wie bei einer Geburt – das Leben auf den Kopf, mit voller Kraft und Endgültigkeit.

Ich hatte das Gefühl aus der Zeit gefallen zu sein. Da ist nur Trauer, nur Jetzt. Gestern war gestern, morgen ist morgen. Jetzt nur Dasein, mit ihr, die sie nicht mehr die ist, die sie war. Verwandelt in einem Augenblick. Alleinsein. Und doch auch Trost in der Gemeinschaft.

Zugleich birgt dieser Moment des Abschieds Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen. Auf der einen Seite der unmittelbare Rückblick auf die gemeinsame vergangene Zeit, Prägungen, Erlebnisse und auf der anderen Seite der Blick in die veränderte Wirklichkeit, mit Fragen wie mag es weitergehen, wie wird sich das Leben wandeln. Oder auch: Wie kann man im Angesicht des Todes überhaupt je wieder ein Buch lesen können, unbefangen die Zeit genießen.

Und gleichzeitig ereilten mich tiefe existentielle Fragen: Was ist wichtig im Leben, wirklich grundlegend wichtig? Wofür gilt es zu leben, seine Zeit einzusetzen? Es ist die Liebe, ganz klar und deutlich ist es vor allem die Liebe. Denn sie ist zeitlos.

Der Tod meiner Mutter gab mir das Gefühl, die Zeit zu spüren, den unmittelbaren Augenblick, ganz im Jetzt zu sein, nur dies. Die Zeit stand still und ging doch gleichzeitig weiter. Es war, es ist und es wird sein.   

Himmel und Erde Kopie (c) Regina K.

Immer geht es um Leben und Tod.
Alle Formen vergehen schnell
und kein Verweilen kennt der Augenblick.
Drum seid immer wach, 
niemals achtlos, 
niemals nachlässig.
(aus dem Zen)