Die junge Benediktinerin Sr Maria (26) hat Niklas Sobotka (Pfarrbriefredaktion) kennengelernt, weil er als Firmkatechet mit mit ihr beim Firmkurs 2025 in Kontakt kam. Er war interessiert zu erfahren, wie ihr Weg ins Kloster verlaufen ist und welche Erfahrung sie mit der vorgegebenen Zeitstruktur des klösterlichen Lebens macht.
Niklas Sobotka: Stammen Sie aus Köln?
Sr Maria: Ich komme aus einem kleinen Dorf südlich von Frankfurt. Schon früh habe ich in mir eine Berufung zum Ordensleben gespürt. Ich habe mich dann auf die Suche gemacht und geschaut, wo ist mein Ort, welches Kloster könnte zu mir passen. Irgendwann bin ich dann bei den Benediktinerinnen hier gelandet. Da habe ich gespürt, hier ist mein Ort.
Was hat Sie in Ihrer Berufung bestärkt?
Die Besuche der verschiedenen Klöster. Dabei konnte ich viel dazu erfahren, was mich angezogen hat: Wie sind die Schwestern? Was macht das Leben im Kloster aus? Ich habe mich darin wiedergefunden und immer weitergesucht, bis ich am richtigen Ort war.
Beim Firmkurs 2025 trugen Sie einen weißen Schleier und jetzt einen schwarzen.
Als Novizin, d.h. als Ordensfrau in Ausbildung sozusagen, trägt man einen weißen Schleier. Im Januar hatte ich meine Ewige Profess. Seitdem habe ich mich fest an die Gemeinschaft und Gott gebunden und trage als Zeichen dafür einen schwarzen Schleier.
Als Ordensfrau haben Sie einen klar geregelten Tagesablauf. Was schätzen Sie daran?
Ich schätze, dass ich nicht überlegen muss, wann mache ich was? Natürlich muss ich mir überlegen, was arbeite ich heute und wie strukturiere ich das. Aber im Grunde ist klar, wenn es läutet, dann gehe ich wieder zum Gebet. Der große Gewinn dabei ist, dass ich viel mehr Zeit und Kraft darauf verwenden darf, zu überlegen, wie mache ich meine Dinge. Also nicht, was mache ich wann, sondern mit welcher Haltung mache ich es.
Hat die feste Struktur auch eine anstrengende Seite?
Doch, das gibt es auch. Aber die Herausforderung ist, sich davon nicht vereinnahmen zu lassen. Der Hl. Benedikt schreibt in seiner Regel, dass Ordensleute sich immer wieder bewusstmachen sollen, in einer Reihe von Gliedern zu stehen und dass das Gelingen von dem, was ich hier einbringe, nicht allein von mir abhängt. Er betont, dass alle Glieder der Gemeinschaft zum Ganzen beitragen, und das ist für mich ein sehr schöner Gedanke.
Haben Sie im Kloster neben Gebet und Arbeit auch Zeit für sich?
Das habe ich, so in den Pausen, der Mittagspause oder abends nach dem Gebet, aber auch am Wochenende. Von Samstagmittag bis Sonntagabend ist frei, und jede kann die Zeit selbst gestalten. Wir haben auch Ferien im Kloster und zudem freie Tage, an denen ich auch mal rausfahren oder wandern gehen kann.
Sind Sie in den freien Zeiten an feste Gebetszeiten gebunden?
Ich bin nicht daran gebunden, das entscheide ich selbst. Wenn ich etwa beim Wandern auf einer Panoramabank sitze und mir die Natur anschaue, dann ist das auch Gebet. Manchmal tut es mir gut, das Stundengebet rauszuholen und auf dieser Bank die Mittagshore zu beten. Manchmal ist es auch einfach die Stille, die genauso erfüllend ist, und dann würde ich nicht sagen, dass das eine Gebet mehr Wert hat als das andere.
Hat sich mit Ihrem Klostereintritt Ihr Zeiterleben geändert?
Zuvor war ich natürlich nicht an einen bestimmten Tagesrhythmus gebunden. Im Kloster hat man auf jeden Fall ein anderes Zeitgefühl, weil die Struktur des Tages mehr oder weniger vorgegeben ist. Vorher war ich mehr unterwegs. Jetzt bin ich mehr am Ort. Alles, was ich zum Leben brauche, habe ich hier: Die Kirche, die Messe, meine Arbeit und mein Bett. Vor meiner Zeit im Kloster musste ich zur Arbeit fahren und einkaufen gehen. Die Wege waren weiter. Auch der Fokus des klösterlichen Lebens ist sicherlich ein anderer. Es kommt weniger auf die konkrete Zeitplanung an, also, wann mache ich was, als vielmehr darauf, im Augenblick zu sein und sich zu fragen, was einen davon abhält, ganz präsent zu sein. Außerhalb des Klosters begegnet man vielen Menschen. Das Erleben steht im Mittelpunkt. Hier trägt mich die immer gleiche Gemeinschaft, und ich weiß, wer gleich zur Mittagshore kommt und wer nicht. Es geht weniger darum, Programmpunkte abzuhandeln, als vielmehr um das, was im Inneren mein Leben trägt. Die einfache Lebensweise hier im Kloster ermöglicht, das Erlebte bewusster zu erleben. Mein Leben ist weniger zweckgebunden: ich muss nicht dieses und jenes machen, um das und das zu erreichen.
Gibt es auch Zeiten, in denen Sie Gottes Gegenwart vermissen?
Vermissen kann man so nicht sagen, aber vielleicht weniger spüren. Die Gebetserfahrung ist nicht immer die gleiche, so dass man sagen kann, Gott ist da und ich spüre ihn jeden Tag. Es gibt auch Tage, an denen man weniger fühlt. Aber auch das gehört zum Leben.