Regelmäßig am Dienstagabend treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Maternuskirche, um gemeinsam schweigend zu meditieren. Angeleitet werden sie im Wechsel von Benedikt K. und Jörg R.; Benedikt hat viele Jahre in unserer Gemeinde gearbeitet, inzwischen leitet er die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung in der Kölner Innenstadt. Jörg, von Beruf Rechtsanwalt und mittlerweile in Rente, meditiert seit zwanzig Jahren regelmäßig zusammen mit Benedikt.
Stefanie Manderscheid von der Pfarrbriefredaktion hat die beiden zu einem Gespräch in der Maternuskirche getroffen.
Schon beim Eintreten genieße ich die Stille und die Weite des Kirchenraums. Benedikt zeigt mir zuerst die Nische im Seitenschiff, wo sich die Gruppe später zur Meditation niederlassen wird. Ich fühle mich in dem schlichten Raum sofort willkommen. Wir setzen uns und die beiden erklären mir zunächst, wie die Meditation im Schweigen konkret abläuft:
Jörg: Wir beginnen mit einem Gebet, dann machen wir eine kurze Leibspürübung, anschließend sitzen wir 25 Minuten im Schweigen, dann gibt es eine kleine Geh-Runde und schließlich sitzen wir noch einmal 25 Minuten. Beendet wird die Mediation wieder mit einem kurzen Gebet.
Benedikt: Wichtig ist dabei das kontinuierliche Element, die Meditation wird in dieser Form seit ewigen Zeiten praktiziert und wir praktizieren es ebenfalls seit über 20 Jahren so. Das gibt eine große Sicherheit angesichts der vielen anderen Veränderungen, die wir im Leben erfahren.
Stefanie Manderscheid: Spürt Ihr einen Unterschied, wenn Ihr hier in der Gruppe meditiert oder wenn ihr das zuhause macht?
Benedikt: Das Sitzen in der Gruppe an diesem Dienstagabend hat für mich eine noch größere Intensität. Ich weiß, am Dienstagabend sitze ich, es gibt kaum einen Termin in meiner Woche, auf den ich soviel Wert lege. Alle in meiner Familie wissen das. Diese Zeit bleibt immer gleich und ist abgekoppelt von allem anderen.
Jörg: Ich meditiere jeden Morgen und falls ich mal nicht dazu komme, dann habe ich das Bedürfnis, abends, vor dem Ende des Tages noch zu sitzen. Aber hier in der Gruppe ist die Erfahrung intensiver, das liegt für mich auch an dem Raum, der ja exklusiv für die Meditation hergerichtet ist.
Welche Rolle spielt die Zeit während der Meditation? Der Zeitrahmen von 25 Minuten ist ja immer gleich, aber empfindet man den als immer gleich lang?
Jörg: Die Zeit ist ein Schlingel. Manchmal hat man das Gefühl, man hat gerade erst angefangen und die 25 Minuten sind vorbei. Und dann wiederum gibt es Zeiten, wo sich die 25 Minuten in die Länge ziehen.
Woran liegt das?
Benedikt: Bei mir merke ich das schon an der Gestimmheit, wie ich hier angekommen bin, wie der Tag war, wie ich gerade drauf bin, dass die Zeitwahrnehmung wirklich sehr unterschiedlich sein kann und man das selten so intensiv erlebt wie bei der Meditation.
Und wenn es mal nicht gelingt, wie Ihr Euch das vorstellt?
Benedikt: Also, für mich ist das immer etwas Wertvolles, diese Zeit zu haben, alle Dinge, man könnte fast sagen, zu veratmen. Es geht ja immer wieder um die Konzentration oder die Aufmerksamkeit für die Atmung. Es muß ja gar nichts gelingen. Wenn ich das Gefühl habe, es fließt so, dann ist das vielleicht angenehmer als in anderen Zeiten. Aber ich würde nicht sagen, dass das eine Mal gelungen ist und das andere Mal nicht.
Jörg: Manchmal kommen wir ein bisschen tiefer rein ins Schweigen und manchmal rattert es oben im Kopf und dann ist es wichtig, das geschehen zu lassen. Das ist manchmal eine Wechselbewegung zwischen dem, was im Kopf passiert und dem körperlichen Atmen.
Fühlt Ihr euch, während Ihr meditiert, ausserhalb der "normalen" Zeit?
Benedikt: Überhaupt nicht, schon das Atmen ist ja ein zeitlicher Vorgang! Das hat ja einen wiederkehrenden Rhythmus!
Jörg: Das ist ja ein wesentliches Element der Meditation, man macht das nicht, um sich aus dem Alltag rauszuschießen, sondern eigentlich, um das Atmen, was ja den ganzen Tag passiert, einfach bewußt wahrzunehmen.
Was ist für Euch das Wertvollste an der Meditation? Oder anders gefragt, was kann die Meditation bewirken?
Benedikt: Die Meditation eröffnet für mich – nicht immer, aber oft – innere Erlebnisräume, die sich vom Alltagsbewusstsein unterscheiden. Ich würde mich schon wagen zu sagen, dass man so mit etwas Größerem, letztlich Religiösem in Kontakt kommt.
Jörg: Die Meditation trifft mein inneres Bedürfnis nach Einkehr im Alltag. Und über die Jahre hat die regelmäßige Meditation eine Stabilisierung des Lebensweges bei mir bewirkt. Auch schwerwiegende Ereignisse wurden integriert und sie stellten nicht das ganze Leben auf den Kopf.
Benedikt: Vor unserem Gespräch haben wir die Teilnehmer der Meditation darum gebeten, aufzuschreiben, worauf es ihnen beim gemeinsamen Meditieren ankommt. Ich möchte hier zum Abschluss Andreas zitieren:
"Die Meditation am Dienstagabend in der Maternuskirche ist für mich eine Zeitoase, in der meine Aufmerksamkeit heimkehrt, zurück in meinen Körper und dem Wunsch der gemeinsamen Stille lauscht."
Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt und für das offene Gespräch!