Eine Woche wie drei …

Eine Woche war ich unterwegs, erzählt eine Freundin bei einer Kaffee-Verabredung, aber es habe sich angefühlt als wäre sie mindestens drei Wochen unterwegs gewesen. Neugierig gemacht wollte ich hören, was zu dieser ungewöhnlichen Zeiterfahrung geführt hat.

Eine Woche Andalusien gemeinsam mit einer Freundin – viel zu kurz für so eine Reise, meinten Freunde und Bekannte. Sie machte eine ganz andere Erfahrung.

"Ich habe in dieser Woche Abstand gewonnen von vielen Anstrengungen im häuslichen Bereich und habe die Fülle der Erlebnisse ganz ohne Stress in vollen Zügen genossen."

Fünf Städte mit verführerisch klingenden Namen haben die beiden Freundinnen besucht: Málaga, Cádiz, Sevilla, Cordoba und Granada.

Kultureller Input, die Auseinandersetzung mit anderen Lebens- und Gestaltungsansätzen in verschiedenen Epochen, das Genießen manchmal auch fremdartig anmutender Schönheit: Das bedeute für sie Erholung.

Nicht um Vollständigkeit sei es gegangen, sondern um bewusstes Auswählen der Besichtigungen im Vorhinein und darum, mit Hilfe von Stadtführungen, Spaziergängen und den Überlandfahrten ein erstes Gefühl für die neue Umgebung zu entwickeln.

So viel Überraschendes ergab sich täglich und jeder Ortswechsel bedeutete einen kleinen Neubeginn, angefangen vom "Pfadfinden" zum Hotel und erster Orientierung in der fremden Umgebung.

Wieder zuhause, sei sie selbst verwirrt gewesen hinsichtlich des tatsächlichen Zeitumfangs der Reise. Waren es eine, zwei, drei Wochen? Und reicht das überhaupt?

Nicht die erschöpfte Leere, die sich nach einer stressigen Phase, vollgestopft mit Terminen und Verpflichtungen, einstell, sondern das Empfinden einer reichhaltigen Fülle, eines konzentrierten inneren Reichtums sei entstanden, woraus sie eine ganze Weile schöpfen kann.

Vielleicht bis nächstes Jahr im Mai in Spanien, und dann jeweils eine Woche lang in jeder einzelnen dieser schönen Städte.

Ingrid Rasch

Centre Pompidou in Málaga (c) privat

Centre Pompidou in Málaga