Ein neues Fenster entsteht
Nachdem in den Jahren 1986 bis 1989 die Fenster im Chor fertiggestellt worden waren, konnte sich der Kirchenvorstand an das große Westfenster wagen. Dank großzügiger Hilfe durch den Förderverein für die Romanischen Kirchen war die Finanzierung für dieses große Fenster ermöglicht worden. Mit dem Künstler Paul Wegmann aus Leverkusen, der auch die anderen Fenster gestaltet hatte, war ein erfahrener und bestens ausgewiesener Künstler gefunden. Was sollte im Fenster dargestellt werden? Dabei war es ein scheinbar unlösbares Problem, die untere Hälfte des Fensters zu gestalten, würde sie doch nie vom Kirchenraum aus zu sehen sein. Seitens der Bauabteilung des Erzbistums gab es Wünsche, über dem Portal der Kirche das in der Architektur fehlende Tympanon anzudeuten, ein halbrundes skulpturengeschmücktes Giebelfeld über dem Portal, wie wir es von anderen gotischen und romanischen Kirchen kennen. Es brauchte einige Überzeugungsarbeit, um diesen Wunsch abzulehnen. Auch in der alten Fassung der Basilika hatte es solch ein Tympanon nicht gegeben. Stattdessen war die steinerne Umrahmung von Tür und Fenster immer eine große, ganz nach oben geführte Einheit.
Psalm 150
Schließlich konnte ich Herrn Weigmann als Thema den 150. Psalm nennen. Daraus entwarf Weigmann dann ein wahres Engelskonzert. Beim Betrachten des Fensters kann dieser Psalm immer wieder Meditationsanleitung sein. Darum sei er hier wiedergegeben in der Übersetzung von Fridolin Stier.
Halleluja! Preist Gott in seinem Heiligtum,
preist ihn am Gewölb seiner Macht.
Preist ihn mit seinen Gewalten,
preist ihn in seiner Erhabenheit Fülle.
Preist ihn mit dem Stoß der Posaune,
preist ihn mit Harfe und Leier.
Preist ihn mit Pauke und Tanz,
preist ihn mit Saiten- und Flötenspiel.
Preist ihn mit Zimbelschall, preist ich mit Zimbelgeschmetter.
Alles, was atmet, preise Jahwe, Halleluja!
[Quelle: Für helle und für dunkle Tage, Texte aus dem Alten Testament, übersetzt von Fridolin Stier, München 1994, S. 262]
Engel gibt es nicht
Am 23. November 1991 konnte das fertiggestellte Fenster dann gesegnet und der Gemeinde vorgestellt werden. Als Festprediger war Msgr. Erich Läufer eingeladen, der Chefredakteur der Kirchenzeitung. Ich erinnere mich gerne an seine ausgezeichnete Predigt über die Engel. Er begann mit einer kleinen Begebenheit. Am Vorabend hatte er sich das Fenster von außen angeschaut. Das innen hinter dem Fenster angebrachte Licht ließ das Fenster nach außen festlich erstrahlen und die Engel ihr Konzert auf den Severinskirchplatz hinaussingen und –spielen. Bald standen andere mit ihm da, um zu schauen. Als er nun fragte, "Ist dies nicht ein schönes Engelsfenster?", bekam er spontan zur Antwort: "Engel gibt es nicht." Es gibt sie, nicht nur im Fenster. Erich Läufer hat überzeugend den Dienst der Engel dargestellt, der vornehmster Dienst es ist, vor Gott zu stehen und ihm zu lobsingen. Die Engel deuten an, wozu wir Menschen berufen sind. Das soll das Fenster künden nach draußen und drinnen. Aus der Not war eine Tugend gemacht worden. Die untere Hälfte des Fensters war nicht von innen zu sehen, das Licht hinter Fenster ermöglicht nun die Betrachtung auch von außen. So kündet die Kirche ihre Botschaft auch hinaus ins Viertel, übrigens begeistert von den Menschen dort aufgenommen.
Eine Christkönigskatechese
Das Fenster birgt viele Details, die man oft erst suchen muss. Beim Einbau des Fensters hatte ich Gelegenheit, vom Gerüst aus jede Szene genau zu sehen und zu fotografieren. Im Archiv der Gemeinde befinden sich diese Aufnahmen. Am 24. November 1991, dem Christkönigssonntag, war es nun meine Aufgabe, den Kindern das Festgeheimnis nahezubringen. Ich habe es mit dem neuen Fenster versucht, in dessen Spitze wie eine Krönung Christus als Weltenherrscher dargestellt ist. Zuerst sollten die Kinder dorthinauf schauen, das Bild entdecken, um dann sich umzudrehen und wie an einem unsichtbaren Seil durch die ganze Basilika hindurch sich führen zu lassen zum Mittelfenster im Hochchor, in dem ebenfalls Christus darstellt ist als Salvator, als der Erlöser und Herr der Welt. Christus ist gewissermaßen die Klammer um all das, was hier im Kirchenraum geschieht, er ist das Haupt. Zu ihm führt alles hin, ihn gilt es zu verkünden. Die Kinder, so kann ich mich erinnern, haben das gut verstanden.
Turmbläser
Ein besonderes Ereignis im Verlauf des Kirchenjahres ist die Musik von Balustrade des Turmes am Silvesterabend. Über das Viertel hinweg tönen die alten Weisen und locken immer mehr Zuhörer an, die dann wenig später miteinander den Jahresschlussgottesdienst in der Basilika feiern. Im Fenster sind in den Zwickeln und den beiden oberen Reihen diese Bläser verewigt. Über dem Eingang in der zweiten Reihe werden sie unterstützt von einer Sängerschar aus acht Engeln, die daran erinnern mögen, dass hinter diesem Fenster die Sängerempore ist, von der Chor und Schola ihren musikalischen Beitrag leisten zur Ehre Gottes.